Chronik Heimatverein Beverstedt

Gründung des Heimatvereins
Beginn der Vorstandsarbeit
Das Heimathaus Wachholz
Das Betreuerhaus
Vom Backofen zum Backhaus
Der Pony-Stall
Die Wagenremise mit Holzlager
Die Fachwerkscheune und die Remise für Kleingeräte
Die Außenanlagen am Heimathaus
Die Wassermühle Deelbrügge
Das Dorphuus in Lunestedt

Chronik des Heimatvereins Samtgemeinde Beverstedt e.V. von Walter Noeske

Gründung des Heimatvereins

Anlass zur Gründung eines Heimatvereins war der Erwerb des alten Forsthauses in Beverstedt-Wachholz durch die Samtgemeinde Beverstedt. Dieses unter Denkmalschutz stehende dreischiffige niederdeutsche Hallenhaus (Niedersachsenhaus) sollte der Öffentlichkeit erhalten bleiben und einem zu bildenden Heimatverein zur Nutzung zur Verfügung gestellt werden.

Durch einen Aufruf vom 20.04.1979 wurde die Bevölkerung der Samtgemeinde Beverstedt zu einem Informationsabend am 30.04.1979 im Hotel  „Zur Goldenen Krone“eingeladen. 55 Einwohner waren der Einladung gefolgt und wurden von der Samtgemeindeverwaltung über das Vorhaben informiert.  Es wurde ein Arbeitskreis mit 15 Teilnehmern gebildet, der die Gründungsversammlung eines Heimatvereins vorbereiten sollte. Der Arbeitskreis besichtigte das Forsthaus Wachholz und bereitete am 14.05.1979 im Hause von Frau Köser, Lunestedt, die Gründungsversammlung für den 31. Mai 1979 im Hotel „Zum Biber“ vor. An dieser Gründungsversammlung nahmen 48 Heimatfreunde teil. Davon erklärten 43 Damen und Herren und die Gemeinde Bokel ihren Beitritt zum Heimatverein.

Nach der vorgeschlagenen und erörterten Vereinssatzung und den Intentionen der Gründungsmitglieder soll der Verein für jeden Bürger offen stehen. Darum wurde der Jahresbeitrag mit 20,00 DM pro Jahr bewusst niedrig gehalten. Vereine und Verbände sowie Gruppen und Institutionen können ebenfalls Mitglieder werden.  Der Verein sollte den Namen HEIMATVEREIN SAMTGEMEINDE BEVERSTEDT tragen. Die vorgelegte Vereinssatzung wurde einstimmig angenommen und ein Vorstand gebildet.

Es wurden in geheimer Wahl gewählt:

1. Vorsitzende(r)        Dr. Heitmüller, Beverstedt
2. Vorsitzende(r)        Harald Roenicke, Beverstedt
Geschäftsführer         Helmut Rackebrandt, Stubben
Kassenführer             Dietrich Lührs, Heerstedt-Lohe
Schriftführerin            Elke Miller, Appeln-Havekesch
Beisitzer                     Hans Mindermann, Beverstedt; Elke Miller, Appeln-Havekesch; Walter Noeske, Heerstedt

Für die Mitarbeit in noch zu bildenden Fachausschüssen stellten sich zur Verfügung:

Frau Köser, Lunestedt;  Herr Niemann, Stubben;  Herr Hintze, Lunestedt;
Herr Weiher, Kirchwistedt; Frau Kemna, Beverstedt;  Frau Grab, Lunestedt;
Frau Schulz, Beverstedt; Frau I. Peters, Beverstedt;  Herr Wetjen, Beverstedt-Wehldorf

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Beginn der Vorstandsarbeit

Nach der Gründungsversammlung nahm der Vorstand seine Arbeit unverzüglich auf und tagte im ersten Jahr nach der Vereinsgründung in Abständen von sechs Wochen. Die Aufgaben, die der neu gegründete Verein zu bewältigen hatte, waren vielfältig. Vorrangiges Thema in der Arbeit des Vorstandes, neben den schon in der Informationsveranstaltung angesprochenen Möglichkeiten der Nutzung des Forsthauses durch Herdabende, Dichterlesungen, Theateraufführungen und anderen heimatverbundenen Veranstaltungen, war die Renovierung des unter Denkmalschutz stehenden Hauses.

Schon zu diesem Zeitpunkt zeigte sich, dass die Zusammenarbeit zwischen der Samtgemeinde als Eigentümer des Hauses und dem Heimatverein, der das Haus mit Leben füllen sollte, ausgezeichnet war. Die Samtgemeinde mit Hilfe von erheblichen Zuschüssen die erforderlichen Mittel für eine grundlegende sachgerechte Restaurierung zur Verfügung. Der Heimatverein, der in dieser Anfangsphase nur über geringe Eigenmittel verfügte, brachte als Kapital die Arbeitskraft der Mitglieder ein.

Auf einer Sitzung des Bauausschusses des Heimatvereins am 03.10.1979 wurde der Stand der Planung erörtert:

      • im Laufe des Monats Oktober soll der Kaufvertrag mit der Forstverwaltung abgeschlossen werden;
      • durch die Gemeindeverwaltung wird dem Heimatverein erlaubt, mit Innenarbeiten zu beginnen, wie
        Aufräumungsarbeiten, Abbruch von Stalleinrichtungen, also Arbeiten, die nicht
        genehmigungspflichtig sind. Die Außenarbeiten können erst beginnen, wenn eine
        Besichtigung durch die obere und untere Denkmalschutzbehörde, Dr. von Osterhausen, Lüneburg und Herr Pasch, Landkreis Cuxhaven, erfolgt ist.

In einem Rundschreiben wurden die Mitglieder aufgerufen, bei den Arbeiten zu helfen.
Neben den genannten Aufgaben entwickelte sich im Vorstand sehr schnell der Gedanke, dass ein Objekt wie das Forsthaus in Wachholz, einmal fertig gestellt, einen großen Wert darstellt, sich nicht selbst überlassen werden kann. Es wurden Überlegungen angestellt, ein stilgerechtes Betreuerhaus auf dem Grundstück zu errichten. Diese Überlegungen wurden von der Verwaltung der Samtgemeinde grundsätzlich unterstützt. Die staatlichen Forstverwaltung bot ein altes Forsthaus in Hesedorf bei Bremervörde (Baujahr 1756) zum Abbruch an. Diesem Angebot konnte sich der Verein nicht verschließen.
Er übernahm unter großen finanziellen und physischen Anstrengungen den Abbruch des Forsthauses, um wenigstens das Material zur Verfügung zu haben, wenn grünes Licht für den Bau eines Betreuerhauses gegeben wird. Durch Spenden und kostenloses zur Verfügung stellen von Fahrzeugen wurde die Arbeit von hiesigen Firmen und der Patenkompanie aus Schwanewede tatkräftig unterstützt. Auch zahlreiche Vereinsmitglieder haben sich selbstlos eingesetzt: Marion Köser, Harald Roenicke, Paul Kamke, Heinz Otten, der das gesamte Balkenwerk kennzeichnete, um einen Wiederaufbau zu ermöglichen, um nur einige Namen zu nennen.

Neben diesen ersten Arbeiten am Forsthaus und den Abbrucharbeiten in Hesedorf wurden Zahlreiche plattdeutsche Abende mit Beiträgen von Marie Grab, Lunestedt, Jochen Hahn, Beverstedt und Harald Roenicke, Beverstedt und weitere Veranstaltungen, z.B. Vorträge im Rahmen der Beverstedter Kulturwoche durchgeführt.

Auf einer weiteren Vorstandssitzung wurden fünf Arbeitsgruppen gebildet, um die Vereinsarbeit zielgerichtet durchführen zu können:

      • Haus- und Grundstücksgestaltung am Forsthaus in Wachholz,
      • Heimatgeschichte,
      • Erhaltung des Brauchtums,
      • Pflege der plattdeutschen Sprache,
      • Sammlung älterer Geräte und Werkzeuge aus dem Heimatraum.

Im Herbst 1979 wurde der Verein in das Vereinsregister eingetragen.
Der Name lautete nun „HEIMATVEREIN  SAMTGEMEINDE BEVERSTEDT  E.V.“

Die effektive Arbeit in einem Vereinsvorstand setzt viel Verständnis für die Meinung des anderen und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Vorstandsmitglieder voraus. Alleingänge ohne Absprachen zeigen negative Auswirkungen auf die Vorstandsarbeit. Auch die Anerkennung geleisteter Arbeit, z.B. bei den Abbrucharbeiten in Hesedorf, trägt zur Atmosphäre in der Vorstandsarbeit bei. So gab es schon im Herbst 1979 Unstimmigkeiten in der Vorgehensweise, die durch Gespräche, auch mit Vertretern der Samtgemeinde, nicht ausgeräumt werden konnten. Diese Unzufriedenheit im Vorstand führte dazu, dass auf der Mitgliederversammlung am 29.04.1980 fünf Mitglieder von ihren Ämtern zurücktraten und der Verein ohne funktionsfähigen Vorstand war. Zur Wahl eine neuen Vorstandes wurde für den 09.07.1980 im Hotel „Zum Biber“ eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen. In dem Bericht in der Nordsee-Zeitung über die Mitgliederversammlung vom 19.07.1980 kann man u.a. lesen:

 „ … Zu Beginn dieser außerordentlichen Mitgliederversammlung ging der bisherige Vorsitzende
Dr. Heitmüller auf die vorausgegangene ordentliche Mitgliederversammlung ein, die nach einem
guten Beginn dann durch die Rücktrittserklärungen von fünf Vorstands- mitgliedern einen bitteren
Beigeschmack erhielt. So lagen in den Worten des Vorsitzenden auch gewisse Härten und
Aggressivitäten, die bei den anwesenden Mitgliedern in dieser Sitzung auf Ablehnung stießen
und nach befragen der Versammlung nun auch Dr. Heitmüller seinen Rücktritt erklärte …“

Nun war der Weg frei zur Neuwahl einen gesamten Vorstandes. Die Wahlen in geheimer Abstimmung ergaben folgendes Ergebnis:

1. Vorsitzende(r)         keiner der Kandidaten erklärte sich bereit,den Vorsitz zu übernehmen
2. Vorsitzende(r)         Paul Kamke, Stubben
Geschäftsführer          Helmut Rackebrandt, Stubben
Kassenführer              Dietrich Lührs, Heerstedt-Lohe
Schriftführerin             Elke Miller, Appeln-Havekesch
Beisitzer                      Klaus Böse, Beverstedt; Walter Noeske, Heerstedt; Marion Köser, Lunestedt

Nach der ersten Sitzung des neugewählten Vorstandes schreibt die Nordsee-Zeitung am 26.07.1980:

„… Der Ablauf der Sitzung macht deutlich, dass der Vorstand in der jetzt gewählten Zusammensetzung
zielstrebig und in vertrauensvoller Einmütigkeit die gestellten Aufgaben aufgreift. …“

Nach diesen ersten Anlaufschwierigkeiten im Vorstand  ist die Zusammenarbeit in den nächsten Jahren insgesamt als erfolgreich zu bewerten. Obwohl personelle Veränderungen erfolgten, und durch Erweiterung der Aufgaben weitere Beisitzer in den Vorstand gewählt wurden, konnten die zahlreichen Vorhaben, oftmals heftig diskutiert, einstimmig beschlossen und umgesetzt werden. Der Grundsatz, alle entscheidenden Veränderungen gründlich mit dem gesamten Vorstand  –  einschließlich der Beisitzer – zu erörtern, hat sich in den vergangenen Jahren bewährt.

Als sehr hilfreich erwies sich bei der Planung und Durchführung der Arbeiten die enge Zusammenarbeit mit der Verwaltung der Samtgemeinde. Über viele Jahre nahm ein Vertreter der Verwaltung an den Vorstandssitzungen des Heimatvereins teil, sodass die Kommunikation zwischen Verwaltung und Vorstand sehr intensiv war.

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Das Heimathaus Wachholz

Die kleine Gemeinde Wachholz ist seit 1929 Ortsteil des Fleckens Beverstedt. Der Wald (etwa 34 ha), der den gleichen Namen trägt, gehörte einst zum Jagdschloss des Erzbischofs von Bremen in Beverstedtermühlen. Nach dem Westfälischen Frieden 1648 wurde das Erzbistum Bremen in ein weltliches Herzogtum umgewandelt. 1719 ließ Hannover sich das Herzogtum Bremen-Verden gegen eine Mill. Taler von Schweden abtreten. So wurde der erzbischöfliche Wald Wachholz  staatlich.

Das Forsthaus in Wachholz hat eine bewegte Vergangenheit. 1781 wurde das Haus, ein dreischiffiges niederdeutsches Hallenhaus (Zweiständerhaus) von der stattlichen Größe 12 m  x  27 m gebaut. Über der Grootdör steht zu lesen:

„PS 37 V 5: Befiel dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohl machen.
Marten Hincken + Becka Hincken. D. 7. Juny Anno 1781“

200 Morgen Land gehörten zu dieser Halbhöfnerstelle. Es ist anzunehmen, dass in den Folgejahren Nebengebäude (Scheune, Wagenremise, kleine Ställe) errichtet wurden, um den Anforderungen eines landwirtschaftlichen Betriebes dieser Größe gerecht zu werden.

1831 wurde im Königreich Hannover durch das Ablösegesetz allen  Meierpflichtigen die Möglichkeit gegeben, sich freizukaufen durch Zahlung der  25-fachen Jahresabgabe. Der damalige Besitzer Tienken nutzte die Gelegenheit, kaufte sich frei und richtete in dem Haus, begünstigt durch die Lage an den Kirchwegen von Stinstedt/Heerstedt (Beerdigungen bis 1870 in Beverstedt) und Freschluneberg/Westerbeverstedt nach Beverstedt, eine Gastwirtschaft ein. 1850 wurde in Beverstedt der Schützenverein gegründet. Die Gaststätte Tienken in Wachholz wurde zum Vereinslokal. Über 50 Jahre wurden hier die Schützenfeste gefeiert.

1902 verkaufte die Familie Tienken das Haus mit Hofplatz und 3 ½ ha Kulturland an die staatliche Forstverwaltung. Es wurde Wohnsitz des Haumeisters Johann Wintjen. Über drei Generationen pflegten die Wintjens nach- und miteinander den fiskalischen Wald. Sie bewohnten das Haus bis 1976.  Zwei Jahre war dann das Haus an die Handweberei Lüders verpachtet. Seit 1978 stand es leer.

1979 wurde das durch bauliche Maßnahmen im Inneren stark veränderte Haus mit ca. 7000 m2 Grünfläche von der Samtgemeinde Beverstedt gekauft. Im gleichen Jahr wurde am 31. Mai der Heimatverein gegründetet, der das Haus zur Nutzung übernahm. Es war geplant, das denkmalgeschützte Haus nach den Richtlinien der Baudenkmalpflege zu renovieren,  es mit Leben zu füllen und zu einem kulturellen Mittelpunkt in der Samtgemeinde Beverstedt zu machen. Dem Heimatverein wurde erlaubt, mit Aufräumungsarbeiten zu beginnen und den Abbruch der für die letzte Nutzung erstellten  Einbauten, die die Grundsubstanz des Zweiständerhauses verfälschten, vorzunehmen. Mit diesen Arbeiten wurde unverzüglich begonnen und zahlreiche Helferinnen und Helfer arbeiteten an den Wochenenden auf dem Gelände des Forsthauses.

Die Planung und Begleitung der Renovierungsarbeiten lag in den Händen von Heinz Otten, Lunestedt, einem Architekten, der mit großem Sachverstand und Einfühlungsvermögen  diese Aufgabe durchführte.

Nach der baulichen Genehmigung erfolge Anfang 1982 die Genehmigung der Finanzierung dieses Bauvorhabens. Die Gesamtkosten in Höhe von 277 800,- DM setzen sich zusammen aus Zuweisungen in Höhe von 140 000,- DM aus der gemeinsamen Landesplanung Bremen/Niedersachen, 30 000,- DM vom Landkreis Cuxhaven und 4 000,- DM vom Landschaftsverband Stade. Die Samtgemeinde Beverstedt und der Heimatverein erbrachten gemeinsam Mittel in Höhe von 102 000,- DM auf. Die Bauarbeiten wurden im Frühjahr 1983 abgeschlossen, so daß am 30.04 /01.05.83 das Haus eingeweiht werden konnte.

Das Forsthaus Wachholz sollte ein kultureller Mittelpunkt in der Samtgemeinde Beverstedt werden. Für den Heimatverein wurde es das Heimathaus und so wurde aus dem Forsthaus Wachholz mehr und mehr das Heimathaus Wachholz, eine Bezeichnung, die sich in der Öffentlichkeit durchgesetzt hat.

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Das Betreuerhaus

Schon sehr früh reifte im Vorstand der Gedanken, dieses wertvolle Heimathaus durch ein Betreuerhaus zu ergänzen. Als ein altes Forsthaus (Baujahr 1756) in Hesedorf bei Bremervörde zum Abbruch angeboten wurde, konnte sich der Vorstand diesem Angebot nicht verschließen. Auch die Samtgemeinde als Eigentümer  des Heimathauses befürwortete dieses  Vorhaben.

Unter großen finanziellen und physischen Anstrengungen wurde mit dem Abbruch des Hauses im Frühjahr 1980 begonnen, um gegebenenfalls entsprechendes Material zur Verfügung zu haben.

Die in Hesedorf erbrachten Eigenleistungen des Vereins haben einen Wert von ca. 25.000,- DM. Etwa 1300 freiwillige Arbeitsstunden wurden durch die Vereinsmitglieder geleistet. Hiesige Firmen unterstützten den Verein in dem Maschinen und Fahrzeuge für den Abbruch des Forsthauses in Hesedorf bereitgestellt wurden. Auch die Patenkompanie aus Schwanewede half tatkräftig mit. Im Sommer war es so weit. Das Baumaterial konnte in Wachholz gelagert werden.

Im Jahre 1984 konnte mit dem Wiederaufbau des Hesedorfer Forsthauses als Betreuerhaus in Wachholz begonnen werden. Die Pläne lagen vor, die Genehmigung war erteilt und die Finanzierung gesichert, so daß unverzüglich angefangen werden konnte.

Für den Heimatverein und die Samtgemeinde Beverstedt war der Bau des Betreuerhauses ein Vorhaben, das gut überlegt werden musste. Von den Gesamtkosten in Höhe von ca. 298 000,- DM, brachte der Heimatverein durch Eigenmittel, Eigenleistung und Material ca. 140 000,- DM auf.

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Vom Backofen zum Backhaus

Ein Heimathaus ohne Backofen ist nur eine halbe Sache. Backofen und Sood (Brunnen) waren im 18. Jahrh. für die Bewohner eines Bauernhauses lebensnotwendige Einrichtungen. So gehörte zum Forsthaus Wachholz neben dem Brunnen selbstverständlich auch ein Backofen. Das Fundament (Findlinge) war am Waldrand (Westseite) noch vorhanden.

Der Gedanken, einen neuen Backofen zu bauen, wurde schon bald (1982) gefasst und auch in die Tat umgesetzt. Es wurde ein Ofenbauer gefunden, der bereit war einen neuen Steinofen fachgerecht zu bauen.

Die Arbeiten gingen zügig voran und zur Einweihung des Heimathauses am 30.04.1983 konnte der Ofen in Betrieb genommen werden.

Bis 1992 hat der Backofen, geschützt durch ein Dach, seinen Dienst getan. Unzählige Laibe Brot und Platten Butterkuchen wurden darin gebacken und erfreuten die Gäste bei den großen Festen am Heimathaus. Aber es gab ein Problem, bei schlechtem Wetter standen die fleißigen Menschen beim Anheizen und später beim Backen im Regen.

Da bot sich 1992 die Gelegenheit, in Ahe ein altes Backhaus abzubrechen. Es entsprach in der Größe genau den Vorstellungen. Fachmännisch wurde es begutachtet und schnell erkannt, dass das Material in einem guten Zustand war, und das Backhaus Heimathaus wieder aufgebaut werden konnte. Dem Abbruch stand nun nichts mehr im Wege. Alles brauchbare Material, Holz und Steine, wurden nach Wachholz transportiert und schon in kurzer Zeit konnte mit dem Wiederaufbau begonnen werden.

Seit 1992 wird in dem Backhaus mit dem Steinbackofen mit großem Erfolg gebacken: Brote, Butterkuchen und Pizzabacken im Rahmen des Ferienspaßes in Zusammenarbeit mit dem Jugendring der Samtgemeinde. Im Jahre 2003 wurde durch das Einrichten einer Backstube in der ehemaligen Werkstatt im Betreuerhaus die Möglichkeit geschaffen, die Vorbereitungen in einem fachgerecht eingerichteten Raum durchzuführen.

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Der Pony-Stall

Nachdem das Betreuerhaus fertiggestellt und eine Familie eingezogen war, wurde der Wunsch geäußert, auf dem Heimathausgelände Tiere zu halten. Vom Betreuer wurde zur Pflege der Wiesenanlagen an ein Pony gedacht. Da es an Unterstellmöglichkeiten an Schlechtwettertagen im Winter fehlt, beschloss der Vorstand, einen Pony-Stall zu bauen. Der Antrag wurde im November 1986 gestellt und wenig später genehmigt, da keine Bedenken der Denkmalschutzbehörde bestanden. Als Material wurden vorhandenen Fachwerkteile des Forsthauses Hesedorf verwendet. Die Steine zur Ausmauerung des Fachwerkes sowie die Hohlziegel für die Dacheindeckung stammen ebenfalls aus diesem alten Haus. Nach der Genehmigung wurde  mit  dem  Bau begonnen, und der Pony-Stall konnte wenig später seiner Nutzung übergeben werden.

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Die Wagenremise mit Holzlager

Die Ackerwagen aus Holz mit eisenbeschlagenen Holzrädern waren auf den Bauernhöfen ein wertvolles Transportmittel. Sie wurden von den ortsansässigen Handwerkern (Stellmacher und Wagenschmiede) in Handarbeit angefertigt. Da so ein Wagen einen großen Wert darstellt, wurde er gepflegt, um eine lange Lebensdauer zu garantieren. Konnte es sich der Bauer leisten, baute er eine Remise, einen Schuppen zum Unterstellen der Wagen; so waren sie gegen Regen geschützt. Der Heimatverein besitzt einige Ackerwagen für die eine Unterstellmöglichkeit auf dem Heimathausgelände fehlte. So beschloss der Vorstand im Jahre 1988 den Bau einer Wagenremise mit Holzlager. Die Anträge wurden gestellt und im September 1988 lag die Genehmigung des Landkreise Cuxhaven vor. Nun konnte mit dem Bau begonnen werden.

Bis auf wenige Ausnahmen konnte die Bauteile aus originalen alten Materialien erstellt werden; z. B. Fachwerk aus Resthölzern vom Heimat- und Betreuerhaus, Steine aus der früheren nachbarlichen  Wehldorfer Ziegelei, aus einem abgebrochenen Schweinestall, bzw. Reste der Ziegel, die beim Umbau des Betreuerhauses übrig blieben. Im Frühjahr 1989 war der Bau fertig, und die Wagen fanden in der Remise einen geschützten Platz.

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Die Fachwerkscheune und die Remise für Kleingeräte

Als der Heimatverein 1979 gegründet war, und die Absicht bekannt wurde, das Forsthaus in Wachholz zu einem Heimathaus auszubauen, blieb es nicht aus, das zahlreiche Bewohner aus der näheren Umgebung sich an vorhandene alte Gerätschaften erinnerten und diese dann dem Heimatverein schenkten oder als Dauerleihgabe überließen. Obwohl der Heimatverein nie die Absicht hatte, im Heimathaus schwerpunktmäßig ein Museum einzurichten, wurden die Gerätschaften gerne angenommen. Sie konnten die Einrichtung des   Heimathauses vervollständigen und  der Öffentlichkeit zugänglich gemacht  werden. Neben den zahlreichen kleineren Gerätschaften, waren unter den Geschenken auch größere Exponate, die z.T. auch käuflich erworben wurden, z.B. Ackerwagen, ein gut erhaltener Kutschwagen, eine Spitzdreschmaschine, um nur einige zu nennen. Der Platz im Heimathaus reichte für die Ansammlung von Gerätschaften dieser Größenordnung nicht aus. Der Heimatverein wollte dennoch nicht auf die Entgegennahme verzichten, denn er ist durch seine Satzung verpflichtet, auch diesen Bereich zu beachten.

Ein erster Schritt, Abhilfe zu schaffen, war der Bau einer Wagenremise 1987/88. Sie konnte einen Teil der Großgeräte aufnehmen, aber der Platz reichte nicht aus. So wurden Unterstellmöglichkeiten gesucht und in benachbarten Dörfern auch gefunden. Die Geräte waren nun geschützt, konnten aber nicht den Besuchern des Heimathauses zugänglich gemacht werden.

Es war also nur eine Frage der Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, dieses Problem zu lösen. Im Oktober 1999 wurde zum ersten Male der Gedanke, auf dem Heimathausgelände eine Fachwerkscheune zu errichten, in einer Vorstandssitzung angesprochen. Bei diesen Überlegungen, die in der folgenden Zeit fortgeführt wurden, standen folgende Gesichtspunkte im Mittelpunkt:

    • es muß der Wiederaufbau einer alten Scheune sein;
    • der Denkmalschutz muß beachtet werden;
    • wo soll die Scheune stehen, damit sie sich in das Gesamtbild einfügt?
    • Wie teuer ist das Vorhaben und wie kann es finanziert werden?

Auf der Jahreshauptversammlung am 14.04.2000 wurden die Mitglieder über das Vorhaben des Vorstandes informiert und ein Meinungsbild erstellt, das von Skepsis bis Zustimmung reichte. Der Vorstand wurde beauftragt, diesen Gedanken weiter zu verfolgen. Ein entsprechender Antrag wurde bei der Samtgemeinde gestellt. Material, das den Ansprüchen genügte war bald gefunden. Schon im Mai konnte gemeldet werden: das Fachwerk einer alten Scheune aus Altwistedt (10m x 24 m) liegt fachgerecht nummeriert und gelagert in Bokel und steht zum Verkauf. Es wurde von Fachleuten für gut befunden, und dem Besitzer wurde signalisiert, dass der Heimatverein an dem Kauf interessiert ist, aber erst die Genehmigung zum Bau benötigt. Schon im Juli 2000 kam die Genehmigung durch den Landkreis. Der Denkmalschutz sieht keine Probleme. Zwei wichtige Voraussetzungen waren nun erfüllt, altes Baumaterial und keine Bedenken des Denkmalschutzes.

Nun trat die Planung in ihre ernste Phase, in der sich die vorbildliche Zusammenarbeit zwischen der Verwaltung der  Samtgemeinde als Eigentümer des Heimathauses und dem Heimatverein erneut bewährte. In einem gemeinsamen Gespräch wurde die Vorgehensweise festgelegt:

    • Kosten ermitteln und einen Finanzierungsvorschlag erarbeiten;
    • Vorhaben dem Kulturausschuss der Samtgemeinde zur Genehmigung vorlegen;
    • der Heimatverein stellt entsprechende Anträge bei der Kreisverwaltung Cuxhaven (Denkmalschutz), bei der Forstverwaltung als Grundstücksnachbar, bei der Samtgemeinde Beverstedt als Eigentümer.

Vom Vorstand wurden die Anträge gestellt und eine erste Kostenaufstellung ermittelt. Etwa 300 000 DM sind erforderlich, um dieses Vorhaben zu realisieren. Die Samtgemeinde konnte sich auf Grund der schwierigen Haushaltslage an den Kosten nicht beteiligen. So standen lediglich Eigenmittel des Heimatvereins und zu beantragende Zuschüsse zur Verfügung. Aber das Problem der  Finanzierung konnte dadurch gelöst werden indem der Verein die Hälfte der Kosten übernahm (Eigenmittel und Eigenleistungen) und die zweite Hälfte aus Förderungsmitteln des Amtes für Agrarstruktur bestritten wurden. Nach bangem Warten auf die Zusage konnte im November 2002 mit den endgültigen Vorbereitungen begonnen werden. Die Planung und Bauaufsicht für das Vorhaben lag in den Händen der Architektin Iris Rimpel. Die nach den Vorstellungen des Bauausschusses den Plan anfertigte. Die Scheune sollte 10 m x 20 m groß werden. Um die Kosten für den Bau in Grenzen zu halten, wurde mit dem Berufsförderungswerk in Bremerhaven zusammengearbeitet. Im April 2003 wurde das alte Fachwerk zur Verzimmerung nach Bremerhaven gebracht und schon im Mai wurden in Eigenleistung das Fundament und die Betonsohle geschüttet und die Verlegung von Ver- und Entsorgungsleitungen vorbereitet. Nach einigen Verzögerungen konnte im September die Scheune aus altem Fachwerk vom Berufsförderungswerk aufgestellt werden. Das Richtfest fand am 10. Oktober statt.

Das Ausmauerung der Gefache und die Eindeckung des Daches mit Dachpfannen waren die nächsten dringenden Arbeiten, um das Gebäude winterfest zu machen. Hierbei und beim Innenausbau wurden die Handwerker des Berufsförderungswerkes durch zwei erfahrene Maurer tatkräftig unterstützt.  Der Innenausbau, die Elektro- und Sanitärinstallation, Malerarbeiten und das  Verlegen der Fliesen wurden in Eigenleistung mit Unterstützung von Fachleuten durchgeführt.

Im Frühjahr 2004 wurde vom Vorstand der Bau einer Remise für Kleingeräte geplant und sofort mit dem Bau begonnen. Altes Baumaterial stand zur Verfügung, so daß  die Belange des Denkmalschutzes beachtet werde konnten.

Bis zum Jubiläum im Juni 2004 soll alles fertiggestellt sein. Trotz zahlreicher geäußerter Bedenken, die Mühe hat sich gelohnt. Die Fachwerkscheune auf dem Heimathausgelände bietet nicht nur den zahlreichen Geräten eine angemessene Unterbringungsmöglichkeit, sondern sie passt sich gut in die Gesamtanlage ein.

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Die Außenanlagen am Heimathaus

 Das Feuchtbiotop

Die Waldlichtung mit dem Heimathaus und seinen Nebengebäuden im Staatsforst Wachholz hat eine Größe von 7000 m2; eine Größenordnung, die schon einigen Aufwand in der Gestaltung der Außenanlagen erfordert. Die Lage mitten im Wald und die undurchlässigen Bodenverhältnisse waren Ursachen für die Probleme mit dem Oberflächenwasser. Das gesamte Gelände, besonders aber im östlichen Teil, trocknete nur langsam ab, so dass es zeitweise nicht begehbar war. Es wurde überlegt, einen Teich als Feuchtbiotop anzulegen, in dem sich das Wasser aus dem umliegenden Bodenbereich sammeln konnte. Ein entsprechender Antrag wurde im Januar 1986 an den Landkreis Cuxhaven gestellt. Da sich früher auf dem Hofgrundstück ein Entenpool befand, hatte der Landkreis keine Bedenken und genehmigte die Anlage des Teiches. Die Arbeiten wurden in Eigenleistung unter fachlicher Betreuung und landschaftsplanerischer Gesichtspunkte durchgeführt und schon bald konnte sich das erste Wasser im neuen Teich sammeln. Die Wiese zwischen dem Betreuerhaus und dem Wald war in den folgenden Jahren weiterhin zu nass und konnte nicht genutzt werden.  Im Jahre 2001 wurde darum die Teichanlage erweitert und ein Überlauf in einen vorhandenen Graben eingerichtet. Diese Maßnahmen hatten den erwarteten Erfolg und das Grundstück kann nun genutzt werden.

Der Steinwall

Ein Haus mit dieser Bestimmung muss hinreichend Parkplätze für die Besucher zur Verfügung stellen. An der westlichen Grundstücksgrenze führt ein Weg zwischen dem Buchenwald und dem Heimathausgrundstück entlang, der Eigentum der staatlichen Forstverwaltung ist. An diesem Weg wurden auf dem Heimathausgelände PKW-Einstellplätze eingerichtet, die durch einen Steinwall aus Findlingen mit hinterer Verwallung zum Hofgelände begrenzt wurden. Mit der staatlichen Forstverwaltung konnte die Benutzung des Weges durch einen Nutzungsvertrag geregelt werden. Der Steinwall wurde an dem Spazierweg nach Wachholz weitergeführt, so dass eine landschaftlich angemessene Begrenzung des Grundstückes entstanden ist. Die Lücke zwischen den Steinwällen vor dem Zugang zum Heimathaus ist mit einem weißen Lattenzaun aus Eichenholz mit Tor geschlossen worden.

Die Streuobstwiese

Ein Obsthof gehörte zu jedem Bauernhaus. Um die Anlage am Heimathaus zu vervollständigen, wurde auf dem hinteren Grundstück im Jahre 1997 eine Streuobstwiese mit heimischen Obstbäumen angelegt.

Der Findling als Wegweiser zum Heimathaus

Der Findling als Wegweiser zum Heimathaus an der Wachholzer Straße weist ein ca. 6 Tonnen schwerer Findling aus Granit auf das Heimathaus hin. A. Krebs aus Bremerhaven hat die Inschrift: Heimathaus Forsthaus Wachholz  in fachgerechter Steinmetzarbeit angefertigt. Vor mehr als einhunderttausend Jahren ist dieser „schwere Brocken“ in der Saale-Eiszeit mit den mächtigen Eisgletschern von Skandinavien in unseren Raum transportiert worden. Jetzt hat er einen unübersehbaren Platz am Rande der Staatsforst Wachholz gefunden.

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Die Wassermühle Deelbrügge

Seit 1991 ist die Samtgemeinde Beverstedt im Besitz der Wassermühle Deelbrügge. Nach umfangreichen Restaurierungsmaßnahmen wurde sie 1995 dem Heimatverein zur Nutzung und Pflege übergeben. Die Wassermühle Deelbrügge liegt an der Lune, einem kleinen Nebenfluss der Weser. Dieser entspringt auf der Geest zwischen Appeln und Volkmarst und mündet in der Marsch in die Weser. Von der Quelle bis zur Mündung (vor der Verlegung des Flusslaufes) ist sie etwa 40 km lang und hat insgesamt 21 m Gefälle. Von der Quelle bis zur Wassermühle Deelbrügge, ca. 20 km, beträgt das Gefälle 19 m. Von dort bis zur Mündung sind es gerade noch 2 m Gefälle. Auf einer Strecke von etwa 6 km, zwischen Stemmermühlen über Beverstedtermühlen bis Deelbrügge gibt es drei Wassermühlen. Ein Zeichen für den Wasserreichtum dieses kleinen Flusses.

Die Wassermühle Deelbrügge ist eine alte Mühle. Sie wurde schon um 1500 im sog. „Vörde Register“ erwähnt und gehörte den Grundherren von Altluneberg. Der Name Deelbrügge setzt sich zusammen aus deel = feucht und brügge = Bruch, Sumpf  (nach H. Bahlow). Zu den genannten Wassermühlen gehörten auch Mühlenteiche, die einen gleichmäßigen Wasserlauf für den Betrieb der Mühlen gewährleisteten. Die Lage der Teiche ist heute noch gut erkennbar. Die Grundherren von Altluneberg als Betreiber der Wassermühle übten den Mahlzwang aus. Alle an den Grundherren bemeierten Bauern, 195 an der Zahl, waren verpflichtet, ihr Korn in der herrschaftlichen Mühle mahlen zu lassen. Auch aus Heerstedt fuhren die Bauern zur Mühle nach Deelbrügge. Den Heerstedter Mühlenweg gibt es heute noch als Straßennamen. Es würde zu weit führen im Rahmen dieser Chronik, die Geschichte in Einzelheiten weiter auszuführen. Hans Mindermann, Ortsheimatpfleger in Beverstedt, hat 1983 auf die Bedeutung der Wassermühle aufmerksam gemacht und in einer kleinen Broschüre (Privatdruck) Wissenswertes zusammengetragen. Die Mühle wechselte im Laufe der Jahrhunderte mehrmals den Besitzer; sie war in erzbischöflichem oder privatem Besitz, bis sie 1927 von den Vorfahren des letzten Besitzers, Lüke Schmidt, gekauft wurde. Bis 1950 war die Wassermühle, zuletzt als motor- getriebene Mühle, in Betrieb. 1984 wurde die Wassermühle von Dr. Meyer-Brunck, einem Mühlenspezialisten der Fachhochschule Nordniedersachsen in Buxtehude, vermessen,  und als erhaltungswürdig eingestuft.

Der Landeskonservator des Landes Niedersachsen teilte diese Meinung nicht und lehnte es ab, Landesmittel für die Restaurierung zur Verfügung zu stellen. Der Eigentümer, Heimatpfleger, der Landkreis Cuxhaven, der Heimatverein Beverstedt und die Samtgemeinde Beverstedt suchten dennoch nach einem Weg zur Erhaltung der Mühle. Ihre Bemühungen wurde dadurch belohnt, dass die Mühle unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Der letzte Besitzer, der Landwirt Lüke Schmidt, verkaufte im April 1991 die nun denkmalgeschützte Wassermühle samt einem Grundstück von ca. 1300 m2   für den symbolischen Wert von 1,– DM an die Samtgemeinde Beverstedt. Diese verpflichtete sich den Gebäudekomplex als Gesamtanlage zu erhalten, in Stand zu setzen, zu pflegen, und die Mühle als Kulturdenkmal der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. 1992 wurde eine Arbeitsgemeinschaft gegründet, die sich aus Vertretern des Heimatvereins, des Landkreises, sowie des Mühlenrates und der  Samtgemeinde zusammensetzte. Als Hauptaufgabe sah die Arbeitsgemeinschaft den Erhalt des Gebäudes.

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Das 1904 angebaute und nicht erhaltungswürdige Müllerhaus von Mitgliedern des Heimatvereins abgerissen. Stehen geblieben ist das 1850 gebaute eigentliche Mühlengebäude und das 1934 angebaute Maschinenhaus. Zunächst wurde der Dachstuhl ausgebessert und mit alten Ziegeln neu eingedeckt, das Fachwerk konserviert und die Gefache ausgemauert. Fenster und Türen einsetzen waren die nächsten Schritte. Bei all diesen Restaurierungsmaßnahmen musste behutsam vorgegangen werden, da die Finanzierung noch nicht gesichert war. Insgesamt 400 000,- DM sollte die Restaurierung kosten, um die 1850 erbaute Mühle der Öffentlichkeit  zugänglich zu machen. Da die Maschinenanlage voll funktionsfähig war, sollte der Mühlengang „vom Korn zum Mehl“ gezeigt werden.

Auf der Jahreshauptversammlung 1994 konnte berichtet werden, dass sich die Finanzierung doch noch wunschgemäss entwickelt hat, denn von der EG, vom Landkreis und vom Mühlenrat waren Mittel zugewiesen. Bis zum Herbst 1994 sollten die Außenarbeiten abgeschlossen sein. Das Interesse an den Erhalt der Wassermühle war in der Öffentlichkeit groß. Auch die Volksbank steuerte eine erhebliche Summe aus dem Zweckertrag der Gewinnspargemeinschaft zur Fertigstellung der Inneneinrichtung bei. Am 01./02. Juli 1995 war es so weit, die Mühle wurde der Öffentlichkeit übergeben. Der gesamte Mahlgang konnte nun in der Mühle verfolgt werden.

Darüber hinaus wurde in dem oberen Raum des Maschinenhauses vom Öko-Lunekring ein Natureum eingerichtet. Hier bekommt der Besucher einen Überblick über die heimische Tier- und Pflanzenwelt in ihrem Lebensraum, der Lune-Niederung, sowie in Geest, Moor und Heide. Die Kosten für die Einrichtung der Ausstellung in Höhe von 20 000,– DM wurden durch eine Einzelspende gedeckt.

Um die Mühle mit Leben zu erfüllen, fand sich eine Gruppe von mühlenbegeisterten Vereinsmitgliedern, die einen Arbeitskreis bildeten und sich dieser Aufgabe annahmen. Mit Engagement und großem Erfolg führen sie seitdem diese Aufgabe aus.

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Das Dorphuus in Lunestedt

(Text und Bilder wurden freundlicherweise durch Arnold Plesse, Ortsheimatpfleger der Gemeinde Lunestedt bereitgestellt )

Marion Köser hat 1976 den Lunekring ins Leben gerufen und in ihrem Haus gegenüber der Schule eine Heimatstube im Dachgeschoss eingerichtet. Das Haus war ähnlich einem Museum mit Kulturgütern ausgestattet, die Mitglieder des Lunekrings gesammelt hatten.  Als sie am 6. Mai 2005 plötzlich starb, war das ein Schock für die Heimatfreunde. Bald erfuhren die Lunestedter, dass das Haus der Marion-Köser-Stiftung zufiel. Diese fördert junge Wissenschaftler und den Denkmalsschutz. Am 22. Mai 2006 informierte Dr. Wolfgang van Hall (Beverstedt), einer der drei Mitglieder des Stiftungsrates, auf einer öffentlichen Versammlung die 50 Teilnehmer, dass der Lunekring im Testament nicht begünstigt sei. Und mit dem Stiftungszweck sei eine unentgeltliche Überlassung des Hauses an den Lunekring nicht vereinbar. Es sollte eine Nutzungsvereinbarung mit der Stiftung abgeschlossen werden und ein Museumskreis im Heimatverein der Samtgemeinde gegründet werden. Der Vorstand des Heimatvereins sprach sich dafür aus. Der Vorsitzende des Heimatvereins Garms hieß die Lunestedter willkommen. Viele Lunestedter waren schon Mitglied im Verein, nun treten weitere Heimatfreunde aus dem Ort ein.

Im Herbst des Jahres entschloss sich die Marion-Köser-Stiftung dann aber, das Haus zu verkaufen. So musste Anfang November die heimatkundliche Sammlung in das 100 m entfernte Notquartier gebracht werden, die frühere Raiffeisen-Lagerhalle wurde von ihrem Eigentümer Jürgen Bullwinkel zur Verfügung gestellt. „Den ganzen Tag über rollten Palettenwagen, Trecker, Schieb- und Sackkarren die Strecke zwischen den beiden Häusern hin und her. Sisalgarnrollen, Häckselmaschinen, Badewannen, Vorrichtungen des Seilers, Handpflüge und Milchzentrifugen wurden transportiert. Dezimal- und Tafelwaagen wurden ebenso die steile historische Treppe heruntergetragen wie Säcke mit Torf oder Geräte zum Torfstich, Kaffeemühlen und Handtuchhalter wurden von der Wand abgenommen und in Kisten oder Wannen verstaut, Wurstmaschinen, Karbid- und Petroleumlampen gingen den Weg ins Übergangslager. Auch ganze Herde traten den Umzug an, Lampen Fachwerkmodelle, Bänke, Truhen und Lastenaufzüge. Zaumzeug für Pferde sammelte sich in Holztrögen, Schleifsteine und eine Drehbank waren nur von mehreren Männern zu tragen.“ „Mitarbeiter des Lunekrings hatten das gesamte Kulturgut aus dem Hause Köser in Verzeichnissen erfasst und fotografisch archiviert. Nun hoffen alle, dass es eine Lösung geben wird, dass die Sammlung wieder für die Öffentlichkeit aufgeschlossen wird. Geordnet wurde alles in der Lagerhalle gestapelt.“ (Bericht der Nordsee-Zeitung über die Aktion vom 4. November 2006)

Am 25. Januar 2007 wurde der „Arbeitskreis Lunekring im Heimatverein der Samtgemeinde Beverstedt“ in der „Deutschen Eiche“ gegründet. Als Sprecher wurde Claus Götjen gewählt, zu Stellvertretern Karl-Heinz und Ulla Großheim und als Beisitzer Bürgermeister Manfred Woltmann und Wolfgang Esser.
Auf einer Bürgerversammlung am 23. Mai berichtete der Arbeitskreissprecher , dass inzwischen 305 Lunestedter Mitglied im Heimatverein der SG Beverstedt seien und die 1905 erbaute Scheune von Helga Cordes in Köhlen zum Abbruch übernommen worden sei. Sie würde zwischengelagert werden, und dann sollte eine neue Heimat für die Köser-Sammlung auf der Ecke gegenüber der Feuerwehr entstehen. Als Name wurde „Dorphuus“ festgelegt. Jürgen Bullwinkel stiftete dafür einen Teil seiner Weide. Claus Götjen erläuterte den Plan für das Haus. Gemeindedirektor Ulf Voigts wies auf EU-Gelder „für die Sicherstellung von Kulturgut“ hin. Es müssten Führungen etwa für Schüler angeboten werden, sozusagen „Heimatkunde live“. Das deckte sich mit dem bisherigen Ziel.

Den Sommer 2007 über wurden mehr als 300 Balken, 480 m2 Dachziegel, 25 Dachsparrenpaare und über 10.000 Steine am Wochenende in Köhlen abgebaut und in Lunestedt zwischengelagert. Jeweils mindestens 15 Leute waren in wechselnder Zusammensetzung auf der Abbruchstelle in Köhlen tätig und wurden von Landfrauen mittags mit Essen versorgt.

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Unter dem Motto „Aus Kleingeld wird unser Dorphuus“ wurde im Oktober 2007 eine Dorphuus-Tombola gestartet. Im Getränkemarkt Holst konnte man über Monate hin Lose kaufen und gewinnen, was Inhaber Rolf Holst von seinen Lieferanten zur Verfügung gestellt bekam: Bademantel, Rollen-Koffer, Sporttaschen, Fußball, Zollstock, Emailleschild der 50-er Jahre, Saftkrug, Getränkeflaschen, Baseball-Kappe, Regiestuhl, Glas-Set und andere Dinge waren im ersten Monat auf dem Gewinntisch. Die Idee fand weitere Anhänger: „Thomas Seymer, Inhaber der Bäckerei Seymer, hat nun ein herzhaftes Dorphuus-Brot herausgebracht. Von jedem Brot für 3 Euro gehen 50 Cents ins Sparschwein für das Projekt des Arbeitskreises. Jürgen Böhme, Inhaber der Landschlachterei Wiecke verkauft ab sofort eine Dorphuus-Wurst, damit man eine Auflage für das Brot hat. Von dem Preis von 4,90 Euro gehen auch 50 Cents in das Projekt. Und damit man das Wurstbrot so richtig genießen kann, gibt es von der Lune-Apotheke den passenden Dorphuus-Tee für 1,20 Euro und einem Anteil von 50 Cents für das Dorphuus. Es gibt zwei Mischungen: Wildkräuter oder Frühlingstee. Und Stefan Otten will in seinem Restaurant „Zum Dorfkrug“, einen Dorphuus-Teller anbieten. Für 12,50 Euro gibt es Scholle und Limandes mit Kräuterbutter, Salzkartoffeln und Salat. Auch davon gehen 50 Cents in die Dorphuus-Kasse.“ (Nordsee-Zeitung über die Aktion Anfang Februar 2008)

Am 17. Februar 2008 fielen die Bäume auf dem Dorphuus-Platz. Am 11. April wurden die Stubben gerodet und im Otterbiotop abgelegt, um Tieren Unterschlupf zu bieten. Die Baugrube wurde ausgehoben und mit Sand verfüllt. Die Balken wurden noch einmal mit heißem Hochdruckwasser gesäubert. Am 29. April wurde die Sohle gegossen.

Mit dem Wunsch „Gott segne die Fenster und die Tür. Er segne uns alle immer wieder, das Haus mit Wärme und Licht. Gott segne jeden Raum mit seinem machtvollen Arm, er lege seine rechte Hand auf uns – Gott sei mit uns an diesem bewohnten Ort!“ legten am 6. Mai 2008 Bürgermeister Manfred Woltmann, Gemeindedirektor Ulf Voigts, Heimatvereinsvorsitzender Paul-Hermann Garms, Arbeitskreis-Vorsitzender Claus Götjen und weitere Repräsentanten den Grundstein.

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In der Zimmerei Claus Hillebrandt in Köhlen puzzelten Lunestedter mit den Handwerkern das Fachwerk zusammen und ergänzten – wo nötig – die Balken. Die wurden am 15. Mai auf der Baustelle in Lunestedt aufgestellt. Schon einen Tag später wurden die Mauern hochgezogen. (Diese Reihenfolge hatte den Vorteil, dass die Mauern genau in das Fachwerk passten.) Noch im Mai wurden die Betonstützen in den Wänden und der Ringanker betoniert.

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In die Betonsohle wurden Löcher gebohrt, Holzschuche eingesetzt und mit Klinkern ummauert, auf die dann zum Richtfest die Ständer aufgesetzt wurden. Zunächst wurden 14 massige Ständer in das Bauwerk gesetzt, davon 5 Balken, die von dem Köhlener Landwirt Hans-Friedrich Hubert gestiftet worden waren. Sie mussten in der Länge angepasst werden. Auf ihnen ruhen zwei wuchtige Rähme, die Deckenbalken des Hauses tragen. Der Dachstuhl wurde soweit möglich aus den in Köhlen von einer Scheune Helga Cordes‘ geborgenen Balken errichtet. Einige Teile mussten allerdings neu angefertigt werden. Nachdem die Giebel auf dem Parkstreifen in der Schulstraße zusammengesetzt waren, hob der Kran sie über die Straße und über die Eichen an den Platz im Dorphuus. Auch alle anderen Balken schwebten hoch über die Bäume ein und wurden an der richtigen Stelle fixiert. Das war zum Teil sehr knifflig.

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Die Schrift über der Grotdör war schon in der Werkstatt in Köhlen eingraviert worden:

„Gott bewahre dieses Haus und alle die da gehen ein und aus.“

Die Jahreszahlen (links 1905, rechts 2008) schnitzte der Zimmermann an Ort und Stelle ein.

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Am 19. Juni 2008 war der große Zeitpunkt gekommen: Etwa 100 Menschen waren zum Richtfest des Dorphuuses gegenüber der Feuerwehr in Lunestedt gekommen, in dem die heimatkundliche Sammlung des Lunekrings eine neue Bleibe finden soll. Hermann Kück vom Forum Natur-Lunekring und Ortsheimatpfleger Arnold Plesse trugen die von Mitgliedern des Lunekrings gebundene Richtkrone ins Haus. Lunekring und Kommune waren glücklich, dass bis hierher alles gelungen war.
Die Bauleute wünschten dem Bau und dem Bauherren Glück und dann gab es zu essen und zu trinken.

Die Nordsee-Zeitung schrieb am nächsten Tag: Claus Götjen, Bauleiter, Planer, „aber vor allem Lunestedter“, zitierte in seiner Ansprache: „Um das Mögliche sichtbar werden zu lassen muss immer wieder das Unmögliche versucht werden!“ Helga Cordes, deren Scheune in Köhlen ab- und hier wieder von der Zimmerei Claus Hillebrandt aufgebaut worden war, bekam einen Blumenstrauß. Der Bau entstand mit kräftiger Hilfe der Dorfgemeinschaft Lunestedt. Hermann Kück vom Lunekring offenbarte, dass er nicht geglaubt hätte, dass der Bau fertig würde. Und Ehrenlandrat Martin Döscher bekannte: „Dat ji dat tostanne kreegen het, imponiert mi – wi Köhlener härrn dat nich packt.“ Hermann Kück (Forum Natur – Lunekring) hatte hinzugefügt: „Ick bün sowat von begeistert, dat hier schaffen woard, wat noch Joahrhunnerte hult“.

Und diese Begeisterung seit der Planung des Dorphuuses springt auf viele Ortsbewohner über. 130 von ihnen haben jeder 50 Euro bezahlt, damit ein Stein mit ihrem Namen versehen wurde und nun in die Gefache des Hauses eingemauert wird. Maurermeister Ortwin Rauschenberger hat diese Steine im Juni 2008 in zwei Reihen vermauert. Sie sind alphabetisch sortiert und finden ihren Platz unter dem Dach auf der Seite zur Schulstraße. „Weiter unten ist die Wand immer wieder von Fenstern und Türen unterbrochen, da würden sie nicht gut hin passen“, erläutert Rauschenberger. Die Idee zu dieser Aktion hatte Walter Niesel, als er beim Abbau der Scheune in Köhlen namentlich gekennzeichnete Steine gefunden hatte. Erstmalig im April 2008 äußerte Niesel die Anregung zu dieser Aktion. Er organisierte auch den Ablauf mit Vorbestellung, Gravierung und Inkasso. „Die Firma „Lesser und Riedel-Grabmale“ in Bremerhaven war auch von der Idee begeistert und gravierte die Namen für einen günstigen Preis in die Steine“, berichtet Claus Götjen, der Bauleiter und AK Lunekring-Sprecher.

Helmuth Kellmer, Harry Hoppe und Werner Maschke sind eigentlich Rentner, aber für das Dorphuus in Lunestedt greifen sie wieder zur Kelle. Die Gefache in beiden Traufenseiten sind Ende Juli fertig.

Nachdem die Fenster eingesetzt waren, wurde das Gerüst entfernt. Im September sind die elektrischen Leitungen verlegt und die Innenwände geputzt worden. Mitte Oktober war ein Großkampftag für die Helfer des Arbeitskreises. Die Deckenbohlen mussten geschliffen und gestrichen werden. Tags darauf konnten sie dann auf den Deckenbalken verschraubt werden. Nachdem auch alle Türen angebracht wurden, konnte der Innenausbau weiter voranschreiten. Nun konnte auch Material im verschlossenen Haus gelagert werden. Ende November soll die erste Veranstaltung im Rohbau stattfinden: Die Kommission für den Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ wird am 21. November das Dorf Lunestedt im Dorphuus präsentiert bekommen. Und auch einige Weihnachtsmarktstände werden am 29. November schon den trockenen Rohbau nutzen können.

Damit am Dorphuus wie am Köserhaus Festtags-Butterkuchen gebacken werden kann, wurde hinter dem Haus ein Backhaus errichtet, das Ende April 2009 gerichtet ist. Bei seinem Bau zeigten Klaus Bullwinkel und Helmuth Kellmer unermüdlichen Einsatz. Die Sparren des Dachstuhls sind eine Stiftung der Forstinteressenten Westerbeverstedt. Das Material des Backhauses wurde aus einer Spende der Bastelrunde Lunestedt bezahlt. Der Torbogen des Backhauses stammt von Karsten Harrje aus Schiffdorf.

Am 22. Juni 2009 nahm die Kommission für den Bezirksentscheid „Unser Dorf hat Zukunft“ auf der gerade fertigen Bank zwischen Dorphuus und Backhaus Platz. Die Damen und Herren entschieden, dass Lunestedt auch ohne den Gewinn eine Zukunft hätte – sie wollten drei kleinere Orte in der Region Lüneburg fördern und am Landesentscheid teilnehmen lassen.
Als Vollendung des Projekts findet am 11. Oktober 2009 die Einweihung des Dorphuuses statt. Allen Sponsoren, die zur Vollendung des Hauses beigetragen haben, sei auch an dieser Stelle herzlich gedankt!

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